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Zensur in der Türkei

Vor drei Monaten berichtete ich und auch die Süddeutsche, dass seit dem in der Türkei die Webseite vom prominenten Biologen Prof. Dr. Richard Dawkins nicht mehr erreichbar ist, da dort die religiösen Befindlichkeiten einiger Kreationisten die Meinungsfreiheit auf gerichtlichem Wege unterbinden. Nun habe ich, nach dem Sophie in 't Veld, Abgeordnete der Niederlande, das Thema aufgenommen hat, die Abgeordneten meiner Partei angeschrieben. Ich möchte damit bezwecken, dass dieses Thema in den Beitrittsverhandlungen behandelt wird. Den gesamten Brief habe ich diesem Post folgend beigefügt, mit der Bitte diesen frei zu nutzen um damit selbst an eure Abgeordnete heranzutreten. Dessen eMail-Adressen findet Ihr auf dieser Seite. (Das Foto rechts ist ein "Beweis für die kreation Gottes" von Okar aus dessen Buch)

Der Brief

Sehr geehrte(r) Herr/Frau XYZ,

ich schreibe Ihnen zu triefst besorgt über die Entscheidung eines istanbuler Gerichts, den Zugriff aus der Türkei auf die Webseite von Prof. Dr. Richard Dawkins durch die Turk Telecom zu unterbinden (http://www.richarddawkins.net). Dieser erneute Angriff auf die Meinungsäußerung durch die türkische Justiz wurde durch den islamischen kreationisten Adnan Okar (aka. Harun Yahya) herbeigeführt, nachdem sein Buch „Atlas of Creation" angeblich durch Prof. Dr. Dawkins diffamiert wurde.

Herr Dawkins hält an der Oxford Universität den „Symonyi Chair for the Public Understanding of Science" und ist daher mehr als qualifiziert das Buch von Herrn Okar zu kommentieren und zu kritisieren. Herr Okar scheint an der Beschreibung des Buches durch Herrn Dawkins Anstoß gefunden zu haben. Ich Zitiere Herrn Dawkins: 'I am at a loss to reconcile the expensive and glossy production values of this book with the breathtaking inanity of the content' (ich kann die teuere und aufwendige Produktion dieses Buches nicht mit dem atemberaubend unzureichenden Inhalt vereinbaren). Ein Video in dem Prof. Dr. Dawkins diese Situation erklärt kann unter folgendem link gesehen werden: http://video.google.com/videoplay?docid=-8457867542234219874&hl=de

Die Tatsache, dass das Buch auf nahezu jeder Seite unehrlich versucht die auf Fakten basierte Evolutionstheorie zugunsten eines kreationistischen Weltbildes zu diskreditieren, sollte nicht das Argument sein. Auch nicht, dass der Author des Atlas selbst nicht Biologe oder Paleontologe ist.  Oder das dieser in der Türkei der Gründung illegaler Organisationen zur persönlichen Bereicherung verurteilt wurde. Was empörend ist, dass es in der Türkei möglich ist, das Lesen einer anderen Meinung aus religiösen Gründen zu unterbinden. Unabhängig davon, ob oder nicht religiöse Empfindlichkeiten betroffen sind, sollte wie in der EU, die Meinungsfreiheit im Vordergrund stehen.

Wie ihnen selbst bekannt sein sollte, ist die Türkei in Verhandlungen zum Beitritt in die EU. Der gerade beschriebene Fall scheint nicht der einzige zu sein, denn nach einer kurzen Suche im Internet findet man viele weitere Beispiele, zwei von Herrn Oktar selbst. Dies ist also gängige Praxis in einem sich selbst als säkular bezeichnendem Land.

Ich glaube, dass eine ernsthafte Prüfung dieses Vorgehens im Rahmen eines möglichen Beitritts in die EU gefragt ist. Ich frage mich ob und wie die Türkei vor ihrem Beitritt diese Kultur der Zensur aus religiösen Gründen abstellen will? Wird diese Thematik von unseren Verhandlungspartnern ernst genommen?

Diese Frage wurde von Frau Sophie in 't Veld, Abgeordnete der Niederlande, in einem Brief an Herrn Rehn geäußert, dessen Inhalt Sie unter dem folgenden Link lesen können: http://richarddawkins.net/articleComments,3369,Letter-to-the-European-Parliament-on-Turkeys-banning-of-RichardDawkinsnet,Sophie-in-t-Veld-MEP

Ich freue mich auf Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen,

Elkin Fricke

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